Was passiert mit unserem Körper?
Was genau passiert mit unserem Körper, wenn wir ihn so starker Kälte aussetzen? Und worin liegt der gesundheitliche Nutzen? Das alles will ich für Euch in diesem Artikel klären.
Genau wie extrem heiße Temperaturen während eines Saunagangs bringt uns die extreme Kälte während des Eisbadens außerhalb unserer Körperkerntemperatur. Sowohl extrem kalte als auch extrem heiße Temperaturen fordern den Körper heraus. Um sein Überleben in diesem Zustand zu sichern, müssen eine Reihe an Mechanismen in Gang gesetzt werden, welche nebenbei einen gesundheitlichen Effekt für unseren Körper haben. Doch was genau passiert mit unserem Körper, wenn wir ihn so starker Kälte aussetzen? Und worin liegt der gesundheitliche Nutzen? Das alles will ich für Euch in diesem Artikel klären.
Während des Eisbadens befindet sich Körper in einem physiologisch herausfordernden Zustand – quasi eine Ausnahmesituation, in welcher er um sein Überleben kämpft. Dabei ist zu beachten, dass unser Körper unter Wasser besonders schnell auskühlt, denn im kalten Wasser gibt unser Körper ca. 25-mal schneller Wärme ab als an gleich kalter Luft. Dementsprechend reagiert unser Körper relativ heftig auf das Eisbad und sendet ein starkes Schmerzgefühl aus – ganz nach dem Motto: raus da! Oftmals verfallen ungeübte Eisbader in eine Art „Schockstarre“: die Arme werden verkrampft an den Körper angezogen, die Schultern hochgezogen und der Atem vor lauter Aufregung sogar angehalten. Dieser Haltung sollte man schnellstmöglich mit einem ruhigen Ein- und Ausatmen sowie mit einem Loslassen aller muskulären Anspannung begegnen, damit diese übermäßige Reaktion des Körpers überwunden werden kann.
Die Kälteexposition stimuliert also im Körper eine große Anzahl an Mechanismen, um die Körperkerntemperatur aufrecht zu erhalten. Drei wichtige Prozesse setzen da im Inneren unseres Körpers ein: die periphere Vasokonstriktion, die chemische und die mechanische Thermogenese. Unter peripherer Vasokonstriktion versteht man die Verengung der Blutgefäßen in distalen Körperteilen wie den Händen, Armen, Füßen und Beinen, d.h. all jenen Körperteilen, die eher unwichtig für unser Überleben sind. Außerdem ziehen sich die Blutgefäße in unserer Haut zusammen, da wir über die Haut am meisten Wärme an unsere Umgebung verlieren. Dadurch wird die Wärmeübertragung vom Körperkern auf die Haut und die distalen Körperteile verringert; Hände und Füße fühlen sich kalt an. Der Körper versucht letztlich, seine Körperkerntemperatur aufrecht zu erhalten, um so seine lebenswichtigen Organe zu schützen. Gleichzeitig aber weiten sich die Gefäße im Körperkern, sodass mehr Wärme im Inneren des Körpers freigegeben wird – ein wirklich ausgeklügeltes System!
Doch in solch einer Kälteexposition wie beim Eisbaden reicht das nicht aus. Zusätzlich wird so die Wärmegewinnung (Thermogenese) angekurbelt: Zunächst aktiviert der Kältereiz das sympathische Nervensystem, d.h. unser Körper nimmt die Kälte wahr, sendet die Information ans Gehirn, welches wiederum den Körper in Aktionszustand versetzt und Befehle an die jeweiligen Organe weitergibt. Im Zuge dessen steigt unsere Herzfrequenz und die Ausschüttung zahlreicher Hormone wird angeregt wie beispielsweise Adrenalin, Noradrenalin und Endorphinen, die die Energieproduktion sowie den Stoffwechsel ankurbeln. Auf diese Weise ist es dem Körper möglich Wärme zu gewinnen.
Ein weiterer Prozess zur Wärmegewinnung stellt die Verbrennung von braunem Fettgewebe dar. Braunes Fett ist für die Thermogenese besonders wichtig, denn es enthält eine große Anzahl an Mitochondrien – „kleine Kraftwerke“ innerhalb der Fettzellen, die selbst Energie und damit Wärme produzieren können. Sobald unser Körper einem extremen Kältereiz ausgesetzt wird, wird durch die Verbrennung von braunem Fett Wärme gewonnen.
Eine weitere Möglichkeit des Körpers, Wärme zu gewinnen, kennt jeder von uns: unser Körper fängt an zu zittern. Genauer gesagt handelt es sich dabei um die mechanische Thermogenese: hierbei wird durch kleine, aber sehr schnelle und unkoordinierte/unwillkürliche Muskelkontraktionen Wärmeenergie frei. So versucht der Körper, seine Kerntemperatur aufrechtzuerhalten. Das Muskelzittern ist dabei sehr effektiv und es kann besonders viel Wärme produziert werden – allerdings nur für eine gewisse Zeit, denn die Muskelkontraktionen sind sehr anstrengend für den Körper. Als Energiequelle werden Glukose/Glykogenspeicher v.a. der Muskeln sowie das weiße Fettgewebe (freie Fettsäuren) genutzt, wodurch die Fettverbrennung angekurbelt wird.
All diese Prozesse werden von unserem Körper in Gang gesetzt, während wir Eisbaden – wirklich erstaunlich, was unser Körper in solch einer Extremsituation leistet! Doch auch nach dem Eisbad wird unser Körper weiterhin aktiviert: alle zuvor zusammengezogenen Blutgefäße werden nun geweitet und es findet eine verstärkte Durchblutung unserer Haut statt. Das erkennt man an der rosig bis roten Haut, wenn man aus dem Eiswasser steigt. Eine weitere Veränderung sieht und spürt man sofort: der Kälteschmerz ist verschwunden und wir steigen mit einem euphorischen Glücksgefühl aus dem Wasser heraus. Wir können unser Lächeln wegen der Unmengen an Glückshormonen quasi gar nicht mehr unterdrücken. Und diese positive Stimmung hält oftmals stundenlang an.
Es ist erstaunlich, was unser Körper in so einer kurzen Zeit während des Eisbadens im Stande ist zu leisten – oftmals sogar mehr als wir ihm zutrauen würden. Dennoch gilt beim Eisbaden stets die Regel, auf keinen Fall zu übertreiben, da wir es hier immer noch mit einer Schocksituation zu tun haben. Bei einwandfreier Gesundheit spricht aber nichts dagegen, unseren Körper regelmäßig während eines bedachtsamen Eisbads herauszufordern und so von den Vorteilen des Eisbadens profitieren zu können.
Quellen:
Kolettis, T. M. & Kolettis, M. T. (2003). Winter swimming – healthy or hazardous? Evidence and hypotheses. Medical Hypotheses 61(5–6), 654–656. doi:10.1016/S0306-9877(03)00270-6
Knechtle, B., Waśkiewicz, Z., Sousa, C. V., Hill, L., & Nikolaidis, P. T. (2020). Cold water swimming—Benefits and risks: A narrative review. International Journal of Environmental Research and Public Health 17(23), 8984. doi:10.3390/ijerph17238984